Alle Kräfte werden gebündelt

Interview mit Prof. Dr. Christoph Mamot und Prof. Dr. Stephan Bodis

Die Projektphase des Onkologiezentrums Mittelland (OZM) konnte Ende 2015 erfolgreich abgeschlossen werden. Insgesamt wurden 8 Zertifizierungen verliehen – 3 von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und 5 nach internationalen ISO-Normen. Die Steuerungsgruppe, das oberste Organ des OZM, wurde von der Geschäftsleitung neu bestellt. 2016 startet das Grossprojekt in die Betriebsphase.

Welche strategischen Schwerpunkte werden Sie im Projekt Onkologiezentrum Mittelland (OZM) legen?

Prof. Dr. Mamot: Circa ein Drittel der Leistungen am KSA werden an Patientinnen und Patienten mit einer onkologischen Diagnose erbracht. Die Behandlungen selbst sind sehr unterschiedlich und werden von praktisch allen Abteilungen im Haus in irgendeiner Form durchgeführt. Interne Ziele des OZM sind sicherlich die noch bessere Koordination dieser Behandlungen durch beispielsweise standardisierte Tumorboards, eine einheitliche Dokumentation sowie Erstellung von Patientenpfaden. Auch nach aussen muss sich das OZM nicht verstecken. Durch eine qualitativ gute Arbeit und ein entsprechendes Auftreten gilt es, sich als der Ansprechpartner für Tumordiagnosen sämtlicher Art im Mittelland zu etablieren.

Prof. Dr. Bodis: Wir wollen uns mit dem Tumorzentrum in der Schweizer Spitallandschaft prominent positionieren und als eines der führenden Zentrumsspitäler der Schweiz wahrgenommen werden. Aktuell ist das KSA das achtgrösste Spital der Schweiz und gehört zu den drei grössten Kantonsspitälern der Schweiz. Wir wollen mit dem Onkologiezentrum auch ein attraktiver und starker Spitalpartner für kantonale und extrakantonale Kooperationen und Netzwerkbildungen bleiben. Durch die Standardisierung und Qualitätssicherung komplexer Prozesse erwarten wir eine Optimierung für die Nutzung unserer Ressourcen, einen von allen Fachpersonen und Patienten akzeptierten Workflow für die häufigen Tumorindikationen und last, but not least qualitativ hochstehende Daten aus Klinik und Forschung, um als glaubwürdiger Partner in der Spitallandschaft Schweiz und in der Diskussion für Hochspezialisierte Medizin (HSM) in der Onkologie wahrgenommen zu werden. Die Onkologie entwickelt sich wie viele Disziplinen in der Medizin rasch und schnell weiter. Um die beste Medizin rasch, kompetent, umfassend und sicher unseren Patienten weiterzugeben, ist eine kontinuierliche Prozessanalyse und Prozessoptimierung unerlässlich (das Beständige beständig und sicher machen, das Innovative gezielt und sicher einsetzen).

Die Projektphase ist abgeschlossen. Welche Herausforderungen stehen als Nächstes an?

Prof. Dr. Mamot: Die Projektphase hat mehrere Jahre gedauert und der Weg war zum Teil auch holprig, aber letzten Endes war die intensive Vorarbeit auch ein klarer Erfolg. Es wurden bereits die ersten Organzentren nach den Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) erfolgreich zertifiziert; im kommenden April folgen nun weitere Organzentren und dann soll auch das Gesamtspital als Tumorzentrum zertifiziert werden. Dies ist terminlich und von Seiten der Ressourcen eine grosse Herausforderung für alle, aber wir sind optimistisch, dass wir es gemeinsam schaffen werden.

Prof. Dr. Bodis: In der Projektphase sind viele Einzelteile zusammengewachsen (Werkzeuge, Menschen, Institutionen). Nun sind wir bereit für den Onkologieverbund innerhalb des ganzen KSA. Dies wird jede beteiligte Klinik und auch das Spital als Ganzes stärken. Der Nutzen muss aber auch für die Patienten unmittelbar spürbar sein. Alle Prozesse, auch die Zertifizierung und Re-Zertifizierung am KSA, müssen immer wieder kritisch hinterfragt werden. Wenn die Zertifizierung nicht mit Überzeugung gelebt wird, bleibt sie nur ein leeres Geschäftsmodell.

Was sind die Stärken des KSA im Bereich Tumorbehandlung?

Prof. Dr. Mamot: Die Zeiten, dass eine Person oder Abteilung einen Tumorpatienten alleine behandelt, sind vorbei. Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen sind derart komplex geworden, dass immer verschiedene Abteilungen mit deren spezialisiertem Wissen beteiligt sind. Genau dies ist eine Stärke des KSA. Wir können alles im Haus kompetent anbieten; innerhalb des OZM versuchen wir, dies nun noch besser zu koordinieren.